Digitale Barrieren betreffen weit mehr als die Nutzung eines Screenreaders. Eine Person kann Text vergrößern müssen, keine Maus bedienen können, Untertitel benötigen oder von schnell bewegten Inhalten beeinträchtigt werden. Andere Menschen brauchen verständliche Beschriftungen und vorhersehbare Abläufe, weil komplexe Sprache oder überraschende Zustandswechsel eine Aufgabe erschweren. Auch eine gebrochene Hand, helles Sonnenlicht oder eine laute Umgebung zeigen, dass unterschiedliche Bedienwege vielen Menschen nützen.
Eine barrierefreie Website stellt deshalb keine Sonderausgabe neben die eigentliche Seite. Inhalt, HTML-Struktur, Gestaltung und Interaktion werden so geplant, dass verschiedene Browser und assistive Technologien dieselbe Aufgabe vermitteln können. Eine Überschrift muss im Code eine Überschrift sein. Ein sichtbares Feld braucht eine verständliche Beschriftung. Ein Menü muss mit Tastatur und Zeiger funktionieren. Eine Fehlermeldung darf nicht nur rot werden, sondern muss benennen, was fehlt und wie es korrigiert werden kann.
Der Anspruch lässt sich am besten an vollständigen Wegen prüfen. Kann ein Besucher eine Leistung finden, die Bedingungen verstehen, das Formular ausfüllen, Fehler korrigieren und eine Bestätigung wahrnehmen? Einzelne korrekt beschriftete Schaltflächen reichen nicht, wenn der Fokus im geöffneten Menü stecken bleibt oder die Rückmeldung nach dem Absenden nur visuell erscheint.