Wissen / Design und KI

KI und individuelles Design: Austauschbarkeit vermeiden

Kurz gesagt: KI-Unterstützung kann gute einzelne Ideen liefern und zugleich ähnliche Ausgangspunkte verbreiten. Studien zu Geschichten, Brainstorming und visuellen Aufgaben zeigen solche Risiken unter bestimmten Bedingungen. Eigenständiges Design braucht deshalb eigene Informationen, verschiedene konzeptionelle Richtungen und eine begründete Auswahl. Entscheidend ist, ob ein Entwurf Ihr Unternehmen erkennbar erklärt, statt nur eine bekannte Form neu zu färben.

Veröffentlicht am / Aktualisiert am / Redaktion: Ruhrstack / 10 Minuten Lesezeit

01 / EIGENSTÄNDIGKEIT

Ein anderer Farbton ist noch keine eigene gestalterische Idee.

Austauschbarkeit zeigt sich daran, wie wenig ein Entwurf vom konkreten Unternehmen abhängt.

Eine Website kann ordentlich aussehen und trotzdem für viele Anbieter gleichzeitig passen. Wird lediglich das Logo ausgetauscht, bleiben dieselbe Bildidee, dieselbe Inszenierung und dieselben unbegründeten Hervorhebungen übrig. Dieses Problem kann auch ohne KI entstehen. Vorlagen, nachgeahmte Wettbewerber und zu wenig eigenes Ausgangsmaterial führen ebenfalls zu oberflächlicher Ähnlichkeit.

Ein vertrautes Bedienmuster ist dagegen nicht automatisch beliebig. Menschen sollen Navigation, Kontakt und Fehlermeldungen verstehen können. Ein Unternehmen muss keine neue Art von Schaltfläche erfinden, um unterscheidbar zu werden. Eigenständigkeit kann in der Auswahl und Anordnung eigener Inhalte, der Bildidee und der Verbindung zur tatsächlichen Arbeitsweise liegen.

Dieser Artikel behandelt den Weg zu unterschiedlichen gestalterischen Konzepten. Ein Designsystem für kleine Unternehmen klärt anschließend, wie eine gewählte Richtung über mehrere Anwendungen konsistent bleibt. Konsistenz innerhalb eines Auftritts und Gleichförmigkeit zwischen verschiedenen Unternehmen sind unterschiedliche Fragen.

02 / FORSCHUNG ZUR IDEENVIELFALT

Eine bessere einzelne Idee kann Teil eines ähnlicheren Gesamtbestands sein.

Qualität und Vielfalt müssen getrennt betrachtet werden.

Doshi und Hauser untersuchten 2024 kurze Geschichten mit und ohne bereitgestellte KI-Ideen. Die Unterstützung konnte die Bewertungen einzelner Geschichten verbessern, besonders bei zuvor weniger kreativen Teilnehmenden. Zugleich wurden die unterstützten Geschichten einander ähnlicher. Analysiert wurden 293 Geschichten, keine Unternehmenswebsites. Die Aufgabe und die eingeschränkte Art der KI-Nutzung begrenzen die Übertragung.

Eine weitere Originalarbeit von Lee und Chung berichtete 2024 über fünf Experimente mit Alltags- und Innovationsaufgaben. Mit ChatGPT unterstützte Ideen wurden kreativer bewertet als Ideen ohne technische Hilfe oder mit Websuche. Der Vorteil betraf insbesondere schrittweise neue Ideen. Das stützt einen möglichen Nutzen der Unterstützung und steht nicht im Widerspruch zur Frage, wie verschieden die Ergebnisse untereinander ausfallen. Die Versuche nutzten GPT-3.5 und erlauben keinen pauschalen Leistungsvergleich aktueller Modelle.

Eine 2025 veröffentlichte ergänzende Analyse von Meincke, Nave und Terwiesch betrachtete die Vielfalt in vorhandenen Brainstormingdaten. Sie beschrieb ebenfalls, dass höhere durchschnittliche Einzelbewertungen mit geringerer Vielfalt im Ideenbestand einhergehen können. Das ist eine erneute Auswertung konkreter Experimente, keine repräsentative Erhebung sämtlicher KI-Nutzung.

Für einen Designauftrag ergibt sich daraus eine sinnvolle Frage: Vergleichen wir tatsächlich verschiedene Möglichkeiten oder mehrere Ausarbeitungen desselben Gedankens? Viele hübsche Entwürfe reichen als Antwort nicht aus. Drei Darstellungen können sich in Farbe und Ausschnitt unterscheiden und trotzdem dieselbe Aussage auf identische Weise erzählen.

Der Begriff Vielfalt meint hier Unterschiede zwischen Ideen. Er sagt nicht, dass jede einzelne KI-Ausgabe unoriginell wäre oder dass menschliche Entwürfe automatisch verschieden ausfallen. Die Studien liefern einen Anlass, den eigenen Auswahlprozess genauer zu gestalten.

03 / FIXIERUNG AUF VORBILDER

Eine frühe Vorlage kann den weiteren Suchraum verengen.

Wer sofort eine ausgearbeitete Richtung sieht, sollte weitere Möglichkeiten bewusst offenhalten.

Ein erster überzeugender Vorschlag setzt schnell einen Bezugspunkt. Spätere Fassungen übernehmen dann möglicherweise seine Bildaufteilung oder Metapher, obwohl nur nach Verbesserungen gefragt wurde. Designfixierung bezeichnet die Bindung an vorhandene Beispiele oder Lösungsmerkmale. Sie kann auch bei menschlich gezeigten Vorbildern auftreten.

In einer CHI-Studie von Wadinambiarachchi und weiteren Forschenden bearbeiteten 60 Personen eine visuelle Ideenaufgabe. Die Gruppe mit KI-Bildunterstützung orientierte sich stärker am anfänglichen Beispiel und produzierte gegenüber der Ausgangsbedingung weniger sowie weniger vielfältige und originelle Ideen. Untersucht wurde eine begrenzte Aufgabe mit einem damaligen Bildgenerator. Daraus folgt keine Aussage über jedes heutige Werkzeug oder erfahrene Designteams.

Als praktische Gegenmaßnahme empfehlen wir, vor der ersten ausgearbeiteten Ansicht mehrere grobe Gedanken zu notieren. Diese Empfehlung ist unsere redaktionelle Übertragung, kein in der genannten Studie nachgewiesenes Rezept. Eine kurze Skizze oder ein Satz kann bereits zeigen, ob eine Richtung etwas grundsätzlich anderes erzählt.

04 / EIGENES AUSGANGSMATERIAL

Beginnen Sie mit Informationen, die Ihr Unternehmen tatsächlich betreffen.

Ein allgemeiner Stilwunsch liefert noch keine inhaltliche Unterscheidung.

„Modern und hochwertig“ lässt viele Lösungen zu. Hilfreicher ist eine konkrete Beobachtung: Welche Arbeit wird häufig missverstanden? Welcher Unterschied zwischen zwei Leistungen muss erkennbar werden? Welche eigene Form, welches Material oder welcher Arbeitsschritt kann eine passende Bildidee tragen?

Sammeln Sie zunächst wenige belastbare Angaben und vorhandene Materialien. Dazu können ein wirklich verwendetes Werkzeug, eine eigene Zeichnung, typische Produktdetails oder der erklärte Ablauf einer Leistung gehören. Nicht jedes Detail muss anschließend gezeigt werden. Es dient als Grundlage, damit eine gestalterische Idee nicht allein aus verbreiteten Branchenbildern entsteht.

Halten Sie außerdem fest, was bewusst vermieden werden soll und warum. „Keine schwebenden Technikobjekte, weil sie unseren tatsächlichen Reparaturservice nicht erklären“ ist eine nachvollziehbare Grenze. „Es darf nicht wie KI aussehen“ bleibt dagegen schwer prüfbar. An der Form allein lässt sich die Entstehungsweise eines Bildes nicht zuverlässig aus unserem Auswahlverfahren ableiten.

Wie die eigene Sprache erarbeitet wird, behandelt Markenstimme entwickeln mit KI. Für die gestalterische Richtung benötigen wir hier vor allem ein eigenes Thema, konkrete Materialien und einen klaren Verwendungszweck.

Der Design Council beschreibt im Double Diamond zunächst das Erkunden und Eingrenzen einer Aufgabe und anschließend das Entwickeln sowie Prüfen verschiedener Antworten. Das ist ein Prozessmodell, kein experimenteller Nachweis gegen KI-Gleichförmigkeit. Es macht aber eine nützliche Unterscheidung sichtbar: Eine Aufgabe besser zu verstehen und eine Lösung auszuarbeiten sind verschiedene Arbeiten. Bei einer neuen Erkenntnis darf der Prozess zurückgehen.

Praktisch kann deshalb vor der Motivsuche eine Frage geändert werden. Aus „Wir brauchen ein auffälliges Kistenfoto“ wird im fiktiven Beispiel unten „Interessenten sollen verstehen, welche Angaben für die Planung gebraucht werden“. Erst die zweite Fassung lässt Schnittzeichnung, Gesprächssituation und Ablaufschema als ernsthafte Möglichkeiten nebeneinander zu. Das konkrete Ausgangsmaterial dient dann der Aufgabe und bestimmt nicht vorschnell ihre Lösung.

05 / DREI FIKTIVE RICHTUNGEN

Vergleichen Sie verschiedene Erklärungen statt verschiedener Dekorationen.

Das folgende Beispiel ist eine eigene erfundene Arbeitshilfe und keine Kundenreferenz.

Ein fiktiver Betrieb baut Transportkisten nach vorgegebenen Einsatzbedingungen. Seine Interessenten müssen verstehen, dass zuerst Gegenstand, Transportweg und Handhabung geklärt werden. Eine generische Darstellung mit Paket, Pfeil und Weltkugel könnte fast jede Logistikleistung bewerben. Wir suchen deshalb unterschiedliche Wege, genau diese Planungsaufgabe darzustellen.

Verschiedene Konzepte für dieselbe fiktive Planungsleistung
RichtungTragender GedankeNoch zu prüfen
Vom Gegenstand zur KisteEine sachliche Schnittzeichnung macht Maße, Schutz und Handhabung sichtbar.Versteht die Zielgruppe die Darstellung ohne technische Vorkenntnisse?
Die Planung im GesprächWenige dokumentarische Ausschnitte zeigen die Klärung der Einsatzbedingungen.Sind geeignetes eigenes Material und eine passende Freigabe vorhanden?
Der Weg als EntscheidungEine ruhige schematische Folge ordnet Transportbedingungen und daraus entstehende Anforderungen.Bleibt die Folge bei kleinen Bildschirmen verständlich?

Die Richtungen unterscheiden sich in ihrer Erklärweise, bevor Farben, Typografie und Bewegung festgelegt sind. Das macht die spätere Auswahl begründbar. Nicht jede Richtung muss vollständig gestaltet werden. Ein gemeinsamer Vergleich kann bereits zeigen, dass eine davon wichtige Voraussetzungen nicht erfüllt.

Auch drei verschiedene Konzepte sind keine Pflichtzahl. Bei einer kleinen Aufgabe können zwei ausreichend unterschiedliche Ansätze genügen. Die Arbeitshilfe soll echte Alternativen sichtbar machen, statt einen Auftrag durch zusätzliche Varianten aufzublähen.

06 / AUSWAHL UND GEGENPROBE

Prüfen Sie, woran Ihr Unternehmen im Entwurf erkennbar wird.

Eine Auswahl braucht Gründe, die über persönliches Gefallen hinausgehen.

Bewerten Sie jede Richtung anhand derselben Aufgabe. Welche Information wird zuerst verstanden? Welche falsche Erwartung könnte entstehen? Welche eigenen Inhalte werden sinnvoll genutzt? Welche wesentliche Entscheidung müsste geändert werden, wenn die Seite einem anderen Unternehmen gehören sollte?

Eine einfache Gegenprobe ist, im Arbeitsgespräch Namen und Logo vorübergehend wegzudenken. Passt die gesamte Darstellung unverändert zu beliebigen Anbietern, fehlt möglicherweise ein inhaltlicher Bezug. Diese Gegenprobe ist kein wissenschaftlich validierter Markentest und kein Nachweis mangelnder Originalität. Sie hilft lediglich, Gründe für die Gestaltung auszusprechen.

Prüfen Sie die ausgewählte Richtung anschließend mit echten Texten und den vorgesehenen Bildformaten. Ein ungewöhnliches Motiv hilft wenig, wenn die Leistung dadurch schwerer erkennbar wird. Auch ein deutlicher Unternehmensbezug muss auf schmalen Bildschirmen lesbar bleiben. Wo eine konkrete Verständnisfrage offenbleibt, kann ein gezielter Website-Nutzertest weiterhelfen.

Dokumentieren Sie kurz die gewählte Richtung, den tragenden Grund und noch nötiges Material. Diese Notiz verbindet den kreativen Vergleich mit der Ausarbeitung. Sie verhindert, dass spätere Einzelentscheidungen den ursprünglichen Gedanken unbemerkt auflösen.

Bei späteren Rückmeldungen hilft es, den Grund der Änderung zu benennen. „Der Ausschnitt zeigt die nötige Griffstelle nicht“ ist eine inhaltliche Korrektur. „Bitte noch eine Variante in Blau“ kann ein gestalterischer Wunsch sein. Beide dürfen besprochen werden, sollten aber nicht dieselbe Begründung erhalten. So bleibt erkennbar, welche Änderungen die gewählte Idee stärken und wann eigentlich eine neue Richtung begonnen wird.

07 / DIE PASSENDE ROLLE DER KI

Nutzen Sie Varianten als Material für eine bewusste Auswahl.

Eigenständigkeit entsteht aus der gesamten Arbeitsweise, nicht aus einem bestimmten Werkzeug.

KI kann bei klar getrennten Teilaufgaben helfen: eine vorhandene Metapher infrage stellen, Gegenargumente sammeln oder einen groben Gedanken in verschiedenen Formen visualisieren. Geben Sie dafür die tatsächliche Aufgabe und bestätigte Grenzen vor. Lassen Sie sich die Unterschiede der Vorschläge erklären und prüfen Sie selbst, ob diese Unterschiede im Ergebnis vorhanden sind.

Wird jede Überarbeitung nur mit „ähnlich, aber moderner“ beauftragt, bleibt die Ausgangsidee voraussichtlich das Zentrum des Vergleichs. Formulieren Sie stattdessen eine neue Frage, etwa: „Wie lässt sich dieser Ablauf ohne technische Schnittzeichnung verständlich zeigen?“ Auch daraus entsteht kein garantierter origineller Entwurf. Es schafft aber eine klarere Aufgabe für den nächsten Vergleich.

Bei Ruhrstack werden auf der Leistungsseite Design Bildsprache, Typografie und Raster als zusammenhängender Auftritt beschrieben. Für einen konkreten Auftrag bedeutet das, die gewählte Idee durch die Anwendungen zu tragen und an tatsächlichen Inhalten zu prüfen. Ein brauchbares Standardmuster darf dabei erhalten bleiben. Unterscheidbar werden soll die Aussage Ihres Unternehmens.

08 / QUELLEN

Quellen und redaktioneller Stand.

Die Quellen wurden am 19. Oktober 2026 geprüft. Die Primärveröffentlichungen, das öffentlich zugängliche Abstract der Originalarbeit von Lee und Chung, die Autorenfassung der CHI-Studie sowie die Prozessdarstellung des Design Council wurden am 19. Oktober 2026 geprüft. Die Experimente behandeln begrenzte Schreib-, Brainstorming- und Bildaufgaben. Transportkistenbeispiel und Auswahlhilfen sind eigene redaktionelle Übertragungen von Ruhrstack, keine wissenschaftlich validierten Verfahren.

  1. Doshi und Hauser: Generative AI enhances individual creativity but reduces the collective diversity of novel content: Science Advances, 2024. Experiment mit Kurzgeschichten; geprüft am 19. Oktober 2026., abgerufen am 19. Oktober 2026.
  2. Lee und Chung: An empirical investigation of the impact of ChatGPT on creativity: Nature Human Behaviour, 2024. Fünf Experimente zu kreativen Alltags- und Innovationsaufgaben; öffentliches Abstract geprüft am 19. Oktober 2026., abgerufen am 19. Oktober 2026.
  3. Meincke, Nave und Terwiesch: ChatGPT decreases idea diversity in brainstorming: Nature Human Behaviour, Matters Arising, 2025. Ergänzende Analyse vorhandener Experimentdaten; geprüft am 19. Oktober 2026., abgerufen am 19. Oktober 2026.
  4. Wadinambiarachchi et al.: The Effects of Generative AI on Design Fixation and Divergent Thinking: CHI 2024. Visuelle Ideenaufgabe mit 60 Teilnehmenden; frei zugängliche Autorenfassung unter arxiv.org/abs/2403.11164, geprüft am 19. Oktober 2026., abgerufen am 19. Oktober 2026.
  5. Design Council: Framework for Innovation und Double Diamond: Primärdarstellung des Designprozesses mit Erkundung, Eingrenzung, Entwicklung und Prüfung; abgerufen am 19. Oktober 2026., abgerufen am 19. Oktober 2026.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Einzelfallprüfung. Trotz sorgfältiger Recherche wird keine Gewähr für Vollständigkeit und fortdauernde Aktualität übernommen. Eine Haftung nach zwingenden gesetzlichen Vorschriften bleibt unberührt. Redaktionelle Einordnung.

Was soll Ihren Auftritt unterscheidbar machen?

Bringen Sie Ihren bisherigen Entwurf oder einige eigene Materialien mit. Wir besprechen, welcher Gedanke Ihr Unternehmen trägt und wie daraus eine passende gestalterische Richtung werden kann.

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